googlef034a6024d3ea522.html Provinz / gesine grundmann

PROVINZ

Gesine Grundmann

I Serenade, 2014
Trennscheibe, Siebdruck, Glas,
Holz, 58 x 48 x 3cm
Auflage: 6 (3EA)
1.400,-


Anfrage / Request

Handgeblasene Mundstücke.
Einige Gedanken zu I Serenade von Gesine Grundmann.
Von Christian Aberle

Wie kommt die Musik auf die Schallplatte? Nun, beim Schallplatten-Schnitt schneidet ein Stichel, der in einen Schreiber montiert ist, eine rund laufende Rille in eine blanke, rotierende Scheibe. Entsprechend des beaufschlagten Tonsignals moduliert der Stichel die Rille in einer zum Signal proportionalen Bewegung. Später, beim Abspielen, liest der Tonabnehmer über die Nadel diese in die Rille eingeschriebene Struktur. Das ist das übliche Procedere.

Doch auch Gesine Grundmann’s zur 14“ LP abgewandelte Flexscheibe ließe sich, trotz Übergröße, durchaus auf einem Plattenspieler abspielen; so wie eigentlich jedes einigermaßen flache Objekt mit einem Loch in der Mitte. Der Sound, der durch die, mit feinen Gesteinspartikeln beschichtete, Kunststoffoberfläche entstünde, gefiele wohl dem „Minister für Kratzen, Kreischen und Dröhnen“ aus einem frühen LUSTIGEN TASCHENBUCH von Walt Disney, unter dessen Regie alle möglichen Störgeräusche erzeugt und in alle Welt transportiert werden. I Serenade ist geradezu eine Allegorie für Klang und Musik als Gesamtheit, jedoch: Die Pseudo-Platte befindet sich in einem Schrein. Sie ist nicht als Trägerin eines Soundpiece, sondern als “bildhauerische Druckgrafik“ konzipiert, wie die Künstlerin selbst sagt – und somit als Objekt visuell, räumlichen Erlebens. Ich schaue beispielsweise durch Glas durch ein Loch in einem Kreis in einem Kreis in einem Rechteck auf eine Ausstellung.

Grundmann erweitert durch zwei siebgedruckte, kreisförmig monochrome Farbflächen den ursprünglichen, nahezu ausschließlich unbunten, Farbakkord der Flexscheibe um die zweite und dritte Grundfarbe.

Die Scheibe verleibt sie, quasi als Intarsie, einer von zwei Glasscheiben in einem Holzrahmen gehaltenen dritten Glasplatte ein und montiert den Rahmen derart an die Wand, dass er um 180 Grad geklappt, also immer neu arrangiert / arretiert werden kann. Im Extrem ist also nur eine Seite der Arbeit zu sehen; in den Raum gerichtet, verursacht sie mitunter einen geradezu monumentalen Schatten. Der Raum, den das Kunstwerk beansprucht, wenn es ihn auch unmöglich permanent als ganzes einnehmen kann, ist ihm gedanklich immer zuzugestehen; als Territorium des Halbkreises.

Letzte Frage, angesichts des Titels I Serenade: Wer singt? Gesine? Das Werk? Ich? Wir alle? Und für wen? – wer weiß...


Gesine Grundmann, *1974 Köln, lebt in Köln, Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Trockel, Prof. Cragg u. Prof. Kiecol, Meisterschülerin bei Rosemarie Trockel, MA Fine Art, Goldsmiths College, London, GB

Built with Berta.me