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Andreas Fischer


Geboren 1972 in München, lebt in Düsseldorf

Mulde: Zur Mitte ohne Titte, 2011   
Verschiedene Materialien
155 x 98 x 66 cm
Auflage: 5 (1 EA) 
signiert, datiert, nummeriert
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Hilflose Maschinen, unfähige Menschen:
Im Museum Ludwig bearbeiten Andreas Fischers kinetische Skulpturen unsere Zwänge und Schwächen
Monopol, 22.01.2013 von Valerie Hortolani

Es braucht nicht viel für die Weltherrschaft. Ein einfacher Hammer genügt. So behauptet es zumindest der Künstler Andreas Fischer mit seiner Arbeit „Werkzeug für die Weltherrschaft“ (2005), die im Museum Ludwig zu sehen ist. Dort hängt eines dieser ältesten Werkzeuge des Menschen von der Decke – schmal, unauffällig und vermeintlich ungefährlich. Doch plötzlich neigt es sich, richtet seine Spitze dem Betrachter entgegen, scheint ihn anzublicken und entfaltet dadurch sein ganzes grausames Potential. Andreas Fischer baut kinetische Skulpturen. Sperrmüll, technischer Schrott und abgelebte Möbel dienen ihm dafür als Materialien. Man merkt dem 1972 geborenen Künstler, der mit dieser Ausstellung seine erste umfassende Museumsschau hat, seine Vorliebe für das Verworfene, Improvisierte und scheinbar Unfertige sofort an. Nicht zuletzt zeigt sich darin wohl auch der Einfluss Georg Herolds, bei dem Fischer in Düsseldorf studierte. Doch Andreas Fischer ist gleichzeitig ein minutiöser Tüftler, der die vermeintlich primitiven Gegenstände zu komplexen Gebilden kombiniert und seine Skulpturen mithilfe von Motoren und Mikroprozessoren in Bewegung setzt. Eingebaute Bewegungsmelder lassen sie auf den Betrachter reagieren, und sie treten mit ihm in Kontakt oder entziehen sich allzu neugierigen Blicken. Hinzu kommt bei vielen Werken die Sprache, die in geschriebenem oder gesprochenem Wort kryptische Botschaften verkündet – die Maschinen beginnen buchstäblich zu sprechen.

Lachen oder Weinen angesichts menschelnder Maschinen?

Die von Fischers multimedialen Automaten vollzogenen Handlungen sind mitunter anthropomorph und hochgradig komisch, wenn sich zwei Styroporplatten beispielsweise wie ein Pärchen krächzend zu streiten beginnen oder dem Betrachter lauthals mitteilen, dass durch seine Anwesenheit die vorherige Ruhe gestört wurde („Doppel-L-Thema“, 2008). Andere Apparate wirken in ewigen Wiederholungen gefangen und verzweifelt wie die „Flagge, die versucht, eine 8 zu winken“ (2004). Doch die Botschaften dieser Skulpturen sind alles andere als humorvoll: Es geht um existentielle menschliche Zwänge und Normen, weniger um eine Parodie unserer naiven Technikgläubigkeit wie in den selbstzerstörerischen Maschinen eines Jean Tinguely. Fischers Maschinen thematisieren menschliche Zustände. Es wird gewartet, gehofft und resigniert, an unsere Demut appelliert – ein kopfüber hängender Multifunktionssessel liefert die Choreografie zu einer demagogischen Rezitation unserer tiefsten Ängste („A good Deal“, 2012); ein kaum seetaugliches hölzernes Schlauchboot trotzt tapfer singend den Gefahren des Meeres („Operation Notzucker“, 2008). Fischers Arbeiten changieren zwischen Ironie und Aggressivität, zwischen Komik und Tragödie. Seine Maschinen scheinen die Probleme, aus denen sich der Mensch immer wieder zu winden versucht, um doch nur aufs Neue zu versagen, bereits durchschaut zu haben und führen uns unsere Unzulänglichkeiten und Abhängigkeiten in Endloschleifen vor Augen. Und Daniel Düsentrieb auf Abwegen | Monopol - Magazin für Kunst und Leben das ganz ohne sich zu beklagen.

„Your Time is my Rolex“, Museum Ludwig, Köln, bis 17. März

Website des Künstlers: http://www.andreasfischermachines.de

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